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Die Tappenkarseehütte bei Kleinarl (S) in den Radstädter Tauern.
 

Die Tappenkarseehütte bei Kleinarl im Pongau (S), malerisch gelegen am Tappenkarsee.
Das Wasser glitzert in der Morgensonne. Still und schön liegt er da, der Tappenkarsee. Eingebettet zwischen weiten Almwiesen, die nach oben hin zu Berghängen mit felsigen Gipfeln anwachsen. An seinen Ufern werden später im Jahr Rinder weiden. „An die 200 Stück Vieh verbringen den Sommer auf den Almen des Tappenkars, einige Pferde sind auch dabei“, weiß Andrea Höller, Wirtin der Tappenkarseehütte (1.820 m), die 50 Meter über dem See am Westhang des „Karteistörls“ (2.145 m) thront.
Für die 47jährige Hüttenwirtin ist es in diesem Jahr der 47. Sommer, den sie auf der Tappenkarseehütte verbringt, denn schon ihre Eltern hatten das Schutzhaus vom Alpenverein gepachtet und bewirtschaftet. „Ich bin hier aufgewachsen, zusammen mit meinen acht Geschwistern. Im Jahr 2009 haben mein Mann und ich die Hütte dann übernommen und obwohl sie nur gepachtet ist, hegen und pflegen wir sie, als wäre sie unser Eigentum“, schmunzelt Höller. Sie möchte nirgendwo anders den Sommer verbringen. Zum Glück sehen das ihr Mann Hannes und ihre beiden Kinder Alina, 17, und Samuel, 13, ähnlich. Gemeinsam verbringen sie die warme Jahreszeit am Tappenkar, um nach der Hüttensaison in ihr Haus nach Kleinarl zurückzukehren.
Zu Pfingsten öffnet die Hütte endlich wieder ihre Pforten, um bis Ende September hungrige und müde Wan-
dersleute zu bewirten und ihnen Unterschlupf für die Nacht zu gewähren. Der Saisonstart variiert laut Höller
Jahr für Jahr. „Es hängt von der Wetterlage ab. Der See muss weitgehend eisfrei sein, denn wir transportieren unsere Lebensmittel, die Getränke, das Holz, einfach alles mit einem Boot über das Wasser.“
Wer auf der Hausterrasse das köstliche Essen verzehrt, speist in malerischer Umgebung. Die Hausberge „Weißgrubenkopf“ (2.369 m) im Osten und „Klingspitz“ (2.433 m) im Süden sowie das „Karteistörl“ (2.145 m), das „Draugsteintörl“ (2.077 m) und das „Kreuzeck“ (2.204 m) sowie im Nordwesten der „Maierkogel“ (2.169 m) umrahmen den Tappenkarsee in Form eines gewaltigen Hufeisens.
Die Ennskraxn (2.371 m) wiederum erhebt sich weit hinter dem 50 Meter tiefen Gebirgssee, der im Sommer erhitzte Bergfexe zum Baden einlädt und um den sich zahlreiche Legenden ranken. „Die bekannteste ist jene vom ‚Lindwurm im Tappenkarsee‘. Der Sage nach soll er in den Tiefen des Gewässers gehaust und Jagd auf Wanderer und Vieh gemacht haben“, erzählt Andrea Höller, die schon als Mädchen Bekanntschaft mit dem Märchen machte. Weil der Lindwurm so viel Unheil anrichtete, taten sich Höller zufolge ein paar junge Männer aus der Region zusammen, stopften eine Kuhhaut mit Moos aus, steckten an Stelle des Magens ein Päckchen Zündpulver hinein und warfen diesen Köder in den See. Kaum hatte der Lindwurm die vermeintliche Kuh erblickt, stürzte er sich auf sie und verschlang sie. Kurz darauf gab es eine Explosion, die das Ungeheuer schwer verletzte. „Der Legende nach hat sich der Lindwurm daraufhin in die Tiefe des Gewässers zurückgezogen und nagt seither an jener Felswand, die den See vom Tal trennt. Es heißt, eines Tages wird dadurch diese Trennwand niederbrechen und das Wasser des Tappenkarsees das Kleinarltal überschwemmen“, erzählt die Wirtin, die mit einem Augenzwinkern hinzufügt: „Bis
es soweit ist, ist unsere Hütte aber noch gut über Kleinarl zu erreichen.“
Dazu fährt der Wanderer durch den Ort bis zum Parkplatz Jägersee. Von dort gibt es zwei Möglichkeiten, weiß Höller: „Entweder wird das Auto hier abgestellt und es geht zu Fuß
eineinhalb Stunden zur ‚Schwabalm‘ am Talschluss von Kleinarl weiter. Oder er wählt die mautpflichtige Forststraße (E5,– pro Auto), um direkt bei der ‚Schwabalm‘ zu parken. Von dort geht es in gemütlichem Tempo eineinhalb Stunden lang auf einem wunderschönen Serpentinenweg 600 Höhenmeter hinauf zum Tappenkarsee.“ Vorbei an der Tappenkarseealm, einer ebenfalls bewirtschafteten Hütte, führt ein hübscher Pfad den See entlang, der nach 30 Minuten bei der Tappenkarseehütte mündet.
Eine andere Route, um zu Familie Höller zu gelangen, ist jene von Großarler Seite aus über Hüttschlag mit Parkmöglichkeit auf der „Hallmoosalm“. Zwei Wanderwege führen über die „Draugsteinalmen“ beziehungsweise die „Karteisalmen“ über das „Draugsteintörl“ oder das „Karteisalmtörl“ in drei Stunden zur Hütte. „Besonders schön sind diese Wege im Frühsommer, wenn der Almrausch blüht“, weiß Höller.
Beide Anstiege zur Hütte sowie ein weiterer aus dem Riedingtal sind der Wirtin zufolge sowohl für Groß als auch für Klein geeignet. „Auch Touren auf unsere Hausberge sind für Kinder problemlos zu bewältigen. Bei manchen Stellen ist aber aufzupassen“, sagt Höller, die ihren Gästen mit Rat und Tat zur Seite steht.
Viele schöne Wanderrouten gibt es im Gebiet, kurze wie lange, erklärt die 47jährige. Empfehlen kann sie etwa eine kurze Wanderung über die Almwiesen auf das „Kreuzeck“, dessen Gipfel schon in einer guten Stunde zu erreichen ist. „Oder auf den Weißgrubenkopf, der in eineinhalb Stunden begangen werden kann. Von dort aus können Wanderer weiter zur ‚Franz-Fischer-Hütte‘ gehen, für ein gutes Mittagessen einkehren und dann über das ‚Haselloch‘ (2.136 m) wieder zurückkommen. Bis zur Hütte werden etwa zweieinhalb Stunden von uns aus benötigt.“
Eine wunderschöne Tour, die den ganzen Tag dauert, sei Höller zufolge eine Rundwanderung entlang der Bergkämme rund um den See. „Zuerst geht es in östlicher Richtung auf den ‚Weißgrubenkopf‘, von dort über das ‚Schiereck‘ (2.366 m) zum ‚Haselloch‘, dann weiter zum ‚Klingspitz‘ und ‚Riffl‘ (2.266 m). Weiter geht es zum ‚Kreuzeck‘ und von dort über das ‚Karteistörl‘ wieder zur Hütte zurück“, beschreibt Höller, die empfiehlt, sich für diesen Weg Zeit zu lassen. „Um die schöne Aussicht genießen, Gämsen und Murmeltiere beobachten und die wunderbare Bergflora bewundern zu können.“ Auch auf ausreichend Proviant sollte nicht vergessen werden, sagt Höller. „Denn dort oben gibt es keine Einkehrmöglichkeiten, nur Natur pur.“

 
 
08.05.2019
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